
Ich heiße Mélanie Richet und unterrichte seit September 2006 Französisch an der freien Waldorfschule Haßfurt. Ich bin Französin und komme ursprünglich aus Nordfrankreich, aus einer kleinen Stadt, Soissons, die durch ihre Vase (le vase de Soissons) und ihre dicken Bohnen (les haricots de Soissons) bekannt ist.
Nachdem ich meinen Baccalauréat "C" (französisches Abitur) abgelegt habe, habe ich Deutsch studiert, zunächst an der Universität Amiens. Das Deutschstudium ist in Frankreich in drei große Bereiche gegliedert: Sprache (Grammatik, Linguistik, Übersetzung), Literatur sowie Philosophie und Kultur (Geschichte, Kunstgeschichte, Wirtschaft, Landeskunde, Politik ...). Da dies letzte Gebiet meine Vorliebe war, habe ich meine Maîtrise-Arbeit über den Widerstand gegen Hitler in den intellektuellen und kulturellen Kreisen geschrieben. Nach einem Jahr in Bochum als Fremdsprachenassistentin habe ich diesmal in Paris, an der Universität Paris III - Sorbonne Nouvelle weiter studiert. Dort habe ich ein Master in Deutsch abgelegt, der zu der Zeit noch DEA (DEA d'études germaniques modernes et contemporaines) hieß. Ich habe mich weiterhin mit dem dritten Reich befasst und meine Forschungsarbeit über die Physiker und Chemiker der Industrie im dritten Reich am Beispiel des Bunas geschrieben. Dann habe ich mich in Paris, an der Universität Paris III und dem IUFM de Paris auf die Aufnahmeprüfung für Lehrer vorbereitet und 1999 meinen CAPES (staatlichen Lehrerabschluss für collèges und lycées) bestanden. Nach einem Jahr Ausbildung, in dem ich schon Klassen unterrichtete aber weiterhin zur Universität ging, um pädagogisch und didaktisch ausgebildet zu werden, bekam ich meine erste feste Stelle in Noyon, in einem sozialen Brennpunkt, was meinen Wünschen entsprach. Auch wenn das Unterrichten an dieser Schule schwierig war, war es eine sehr interessante Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe, nicht nur didaktisch und pädagogisch, sondern auch menschlich. Soziales Engagement ist etwas wichtiges in meinem Leben und schon als Schülerin und Studentin hatte ich Freizeitaktivitäten und Nachhilfe für kranke Kinder oder Kinder in einer sehr schwierigen sozialen Lage gegeben. An dieser Schule war ich jeden Tag mit Armut und Not konfrontiert und habe mich besonders für die Migrantenkinder engagiert, die kein oder kaum Französisch konnten. Ich habe sie in Französisch unterrichtet, habe mich in diesem Bereich fortgebildet und habe, mit KollegInnen für sie an der Schule gezielte Hilfsmöglichkeiten und ihre Betreuung organisiert. An dieser Schule habe ich auch an einem Experiment der früheren Einführung einer zweiten Fremdsprache teilgenommen, wie an der Ausbildung neuer Deutschlehrer.
Ich habe parallel zu meinem Beruf studiert und einen Master in Erziehungswissenschaften abgelegt. Dabei habe ich meine Forschungsarbeit über das Thema "Die Bildungsfragen im Bau der europäischen Gemeinschaft / Unio" geschrieben. Ich hatte das Glück, unter der Leitung von H. Prof. Chritian Nique zu arbeiten, der als ehemaliger Berater von François Mitterrand, einen besonderen Zugang zur Politik hatte.
Nach drei Jahren an der Schule zog ich nach Lyon, um an dem nationalen Institut für pädagogische Forschung (INRP) zu arbeiten. Dort habe ich an Forschungsprojekten im Bereich der Fremd- und Zweitsprachendidaktik teilgenommen, insbesondere über die Fremdsprachen in der Grundschule und über die Integration und die Verschulung der Migrantenkinder in Frankreich gearbeitet. Da meine Arbeit am INRP kein direktes soziales Engagement beinhaltete, habe ich erwachsene Behinderte in ihren Freizeitaktivitäten begleitet.
Nachdem ich zwei Jahre am INRP tätig war, bin ich im Juni 2005 aus familiären Gründen nach Deutschland gezogen. Im Zeitraum Juli 2005 bis Januar 2007 habe ich an der VHS Schweinfurt Deutsch als Fremd- und Zweitsprache unterrichtet, was ein sehr schönes, reiches menschliches Abenteuer war. Natürlich habe ich an der VHS auch einen Französischkurs!
Als die Waldorfschule Haßfurt im September 2006 dringend eine Lehrkraft in Französisch suchte und mich anrief, habe ich keine Minute gezögert und zwei Wochen später bekam die Waldorfschule ihre zweite Muttersprachlerin in Französisch! Ich freue mich sehr, meine Muttersprache zu unterrichten und den Schülern mein Land und meine Kultur näher zu bringen.
Ich möchte meine Vorstellung mit einem Gedicht von Paul Eluard beenden, das über seine Schönheit eine besondere Bedeutung für mich hat. Dieses Gedicht heißt "Liberté" (Freiheit) und nicht nur weil Liberté das erste Wort des französischen Mottos "Liberté, égalité, fraternité" ist, ist mir dieses Gedicht besonders wichtig, sondern weil ich denke, dass man oft nicht zu schätzen weiß, was dieses Wort heißt.